Landwirte in großer Sorge: Neue Auflagen haben heftige Folgen - Klage angekündigt

Die Landwirte sind angesichts der aktuellen Entwicklungen in großer Sorge. Es geht um die Zukunft ihrer Betriebe. Im Fokus stehen die Auswirkungen eines neuen Insektenschutzprogrammes, ein Einbruch der Schweinepreise und politische Auflagen.

Landwirte in großer Sorge: Neue Auflagen haben heftige Folgen - Klage angekündigt

Doch zunächst die Regularien: Im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Landwirtschaftlichen Lokalvereins Waltrop ist am Donnerstagabend (9.9.) Bernd Zimmer als Vorsitzender im Amt bestätigt worden. Gleiches gilt für Franz-Josef Goer (2. Vorsitzender), Hubert Köster (3. Vorsitzender) und Ludger Westhoff (Geschäftsführer). Eine Einschränkung gab es aber: Sowohl Zimmer als auch Westhoff kündigten an, zum letzten Mal für ihre Ämter zur Verfügung zu stehen. „Langsam muss die jüngere Generation übernehmen“, begründete Zimmer, der seit 21 Jahren Vorsitzender des Lokalvereins ist.

Ein ganzer Berufsstand ist in Sorge

Große Einigkeit herrschte unterdessen nicht nur bei den Vorstandswahlen, sondern auch bei den Themen, die von weitaus größerer Bedeutung für den kompletten Berufsstand der Landwirte sind.

Weitreichendes Herbizid-Verbot

Just am Mittwoch (8.9.) ist die sogenannte Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung der Bundesregierung in Kraft getreten. Ein Programm, um Insekten zu schützen. Grob gesagt schränkt diese Verordnung den Einsatz von Herbiziden (Pflanzenschutzmitteln) wie Glyphosat extrem ein. Direkt vor der Ernte ist ein Glyphosat-Einsatz ab sofort generell verboten, genau so wie zum Beispiel in Naturschutzgebieten.

Staatlicher „Eingriff ins Eigentum“

Auch auf normalen Ackerflächen darf Glyphosat nur noch dann angewendet werden, wenn es keine Alternativen dazu gibt, was es erst einmal nachzuweisen gilt. Wolfgang König, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Recklinghausen, fand dafür im Rahmen der JHV in Waltrop klare Worte. „Das ist ein Eingriff ins Eigentum, den ich so bei uns im Kreis Recklinghausen noch nicht erlebt habe.“

Landwirtschaftlicher Kreisverband will klagen

Besonders betroffen sind davon diejenigen Landwirte, die einen Großteil ihrer Flächen in besagten Naturschutzgebieten haben. In Waltrop ist das zum Beispiel entlang der Lippe-Auen in Ober- und Unterlippe der Fall. „Da werden solche Verbote für Ackerflächen ausgesprochen, aber es gibt keinerlei finanziellen Ausgleich“, sagt Bernd Zimmer, der von einer „kalten Enteignung“ spricht. Wolfgang König hat unterdessen angekündigt, dass der Landwirtschaftliche Kreisverband Klage dagegen einreichen werde.

Verunsicherung ist spürbar

Neben dem Thema B474n, das kurz diskutiert wurde - die Landwirte sprechen sich klar gegen die geplante Straße aus -, stand das große Ganze im Vordergrund. Und hier war festzuhalten, dass es eine spürbare Verunsicherung unter den Landwirten gibt. Die Stimmung - angespannt. Das ist vor allem der politischen Großwetterlage geschuldet.

Wer bezahlt die Ideen der Politik?

Die politischen Forderungen würden immer größer werden, trug Bernd Zimmer vor. Die Frage, die am Ende allzu oft nicht beantwortet wird: Wer bezahlt das alles? „Im letzten Jahr hatten wir die schlechtesten Bilanzen, die auf den Höfen je geschrieben wurden“, sagt Zimmer weiter.

„Uns fehlt eine Perspektive“

Die Milchpreise seien „seit Jahren unter dem Existenzminimum“. Hinzu kommt seit Corona ein dramatischer Einbruch der Schweine-Preise (wir berichten noch gesondert). „Ein Auf und Ab gab es immer. Aber diesmal ist es anders als sonst. Uns fehlt eine Perspektive, dass es wieder bergauf geht“, so Bernd Zimmer.

Kaum jemand investiert gerade

Marianne Lammers von der Landwirtschaftskammer NRW unterstrich mit Fakten, dass es eine allgemeine Verunsicherung gibt. Ein guter Gradmesser für die Lage in der Landwirtschaft sei stets die Zahl der Neubau-Anträge für Ställe. „Die Anträge sind an einer Hand abzuzählen“, sagte Lammers, die das nachvollziehen kann. „Warum soll man investieren, wenn man überhaupt nicht weiß, was passiert.“

Nach wie vor viele Azubis

Eine gute Nachricht hatte Marianne Lammers aber trotzdem noch zu verkünden. Denn trotz der schwierigen Situation der deutschen Landwirtschaft gibt es nach wie vor genug Azubis im Bereich ihrer Kammer. „Wir haben auch in diesem Jahr ausreichend Nachwuchs“, stellte Lammers fest und ermutigte Ausbildungsbetriebe, weiterhin engagiert bei der Stange zu bleiben.

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