Felling-Sanierung: Erhebliche Differenzen zwischen Ausschreibung und Realität

Eine Mitteilung der Stadt Waltrop sorgte in unserer Redaktion für Verwunderung. Es geht um die Sanierung der Straße „Am Felling“, genauer gesagt um den Zeitplan der Sanierung.

Felling-Sanierung: Erhebliche Differenzen zwischen Ausschreibung und Realität

Wie die Stadtverwaltung nun mitteilt, wird der „Felling“ für die dringend nötigen Sanierungsarbeiten vom 28. Juni bis 3. August für den Auto- und Fahrradverkehr gesperrt. Das sind 31 Werktage (Umleitung ausgeschildert: siehe eingeblocktes Bild in diesem Text).

Fertigstellung eigentlich vor drei Monaten

Beim Blick in die offizielle Ausschreibung, die von der Stadt Waltrop mit Datum vom 15. September 2020 im Rahmen der Auftragsvergabe verfasst wurde, sind unterdessen gänzlich andere Zeitschienen zu finden. Die Ausschreibung sieht die „Fertigstellung der Leistung“ im März 2021 vor. Sprich vor etwa drei Monaten. Die „Dauer der Leistung“ ist mit 80 Werktagen angegeben.

Doch keine Blindgänger im Boden

Auf Nachfrage unserer Redaktion am heutigen Freitag ordnete Stadt-Sprecherin Andrea Middendorf die Verzögerung ein. Zum einen habe die Kampfmitteluntersuchung wegen der Bodenverhältnisse deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen als geplant, so Middendorf. Am Ende bestätigte sich der Verdacht derweil nicht, dass entlang der Straße noch alte Granaten oder Munition liegen. Zum anderen, so schildert die Stadt-Sprecherin weiter, habe die mit der Straßensanierung beauftragte Baufirma „den Beginn mehrfach verschoben“. Zuletzt hatte es laut Middendorf geheißen, dass die Baufirma zu viele erkrankte Mitarbeiter habe.

Erinnerungen werden wach

An dieser Stelle werden unweigerlich Erinnerungen an das wach, was wenige Meter weiter an der Hebewerkbrücke passierte. Immer wieder verzögerten sich dort die Bauarbeiten. Am Ende dauerte der Brücken-Neubau drei Jahre statt der angepeilten zehn Wochen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hatte den Vertrag mit der ausführenden Firma damals trotz allem nicht kündigen wollen und begründete das unter anderem damit, dass eine erneute Ausschreibung das Projekt noch länger verzögern würde. Eine Haltung, die damals auch im Waltroper Rathaus nicht nur auf Verständnis stieß.

Die Frage nach den Fristen

Nun ist schon vor Beginn der Straßensanierung die Frist zur Fertigstellung verstrichen. Unsere Redaktion fragte im Rathaus nach, ob man nicht befürchtet, dass es bei der Felling-Sanierung ähnlich laufen könnte wie bei der Brücke. Andrea Middendorf verneinte das. „Wir gehen jetzt davon aus, dass die Arbeiten am 28. Juni starten.“

Gibt es Vertragsstrafen?

Ob im Rahmen der Auftragsvergabe diesmal Vertragsstrafen bei Nichteinhaltung der Fertigstellungsfrist eingearbeitet wurden, war für Andrea Middendorf heute nicht mehr herauszufinden. Eine Antwort hat sie für Anfang nächster Woche angekündigt. Auch will sie dann klären, warum es eine Differenz von 49 Werktagen zwischen der Dauer der Straßensperrung und der in der Ausschreibung beschriebenen „Dauer der Leistung“ gibt.

  • Wegen der erheblichen Verzögerung war die Straße „Am Felling“, die für derartige Verkehre gar nicht ausgelegt war, zur Ausweichroute für Autofahrer geworden. Aus diesem Grund beteiligt sich das WSA jetzt etwa zur Hälfte an den Kosten der Felling-Sanierung.

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