Erst belächelt, jetzt dick im Geschäft: Nachhaltig verpacken „made in“ Waltrop

„CP316 S2i“ heißt sie, die Polstermaschine, die Patrick Pohlmann und Annika Schulze aus Waltrop so schön bunt haben lackieren lassen. „Wir dachten, das passt doch ganz gut. Es geht ja schließlich um Kinder.“ Aber dazu später mehr...

Erst belächelt, jetzt dick im Geschäft: Nachhaltig verpacken „made in“ Waltrop

Von vorne: Das Waltroper Unternehmen „cushion pack“ gehört wohl nicht unbedingt zu denen, die in unserer Stadt in aller Munde sind. Das wissen freilich auch Annika Schulze (30) und Patrick Pohlmann (41), die den bereits 1996 gegründeten Familienbetrieb inzwischen operativ führen. Produziert wird am Bodensee, der Vertrieb läuft (noch) aus dem Homeoffice, das Lager mit den Vorführgeräten ist (bisher) die heimische Garage.

Erfolg kam nicht von alleine

Die öffentliche Wahrnehmung vor Ort ist also von eher geringerer Natur, was nicht weiter schlimm ist. Die fachliche Relevanz in ihrem Geschäftsfeld ist dafür umso größer. „Wir sind zwar keine große Firma. Aber man kann wohl sagen, dass wir in Deutschland und wahrscheinlich auch in Europa Marktführer sind“, erzählt Patrick Pohlmann. Genau wisse er das aber nicht. Karton-Schredder-Maschinen im vierstelligen Bereich hat das Waltroper Unternehmen im letzten Jahr weltweit an den Mann und an die Frau gebracht. Ein schöner Erfolg, den man sich bei „cushion pack“ hart erarbeitet hat. Denn das Geschäft lief nicht von Anfang an so gut.

Von wegen Müll…

Sie seien vor Jahren auf der Messe noch belächelt worden, erzählt Pohlmann. Die Skeptiker bezweifelten, dass es einen Markt für eine Maschine gibt, die aus alten Kartonagen etwas Nützliches macht. „Die Leute haben uns gesagt: ,Ihr wollt doch nicht euren Müll an eure Kunden verschicken!?’“, erinnert sich Patrick Pohlmann. Doch. Sie wollten. Und sie haben.

Umsatz in drei Jahren verachtfacht

„In den letzten drei Jahren konnten wir unseren Umsatz verachtfachen“, sagt Patrick Pohlmann. Eine zeitgemäße Website und gezielte Online-Werbung haben einen großen Anteil an dem Firmenerfolg, aber auch ein Umdenken in der Gesellschaft und beim Gesetzgeber. Die Maschinen schreddern alte Kartonagen - ein vermeintliches Abfallprodukt - und polstern den Auswurf über ein Federsystem gleichzeitig auf. Das Ergebnis ist ein nachhaltig produziertes Verpackungsmaterial, das Unternehmen auch noch selbst herstellen können, was Kosten spart.

Wichtig: der Umweltaspekt

Nicht zu verachten ist dabei der Umweltaspekt. Denn Jahrzehnte wurden Pakete mit Füllchips aus umweltunfreundlichem Polystyrol oder vergleichbaren Kunststoffen gepolstert, was auch der Gesetzgeber nicht mehr will. Die einst belächelten Karton-Polsterungen erfüllen den gleichen Zweck und sind inzwischen äußerst gefragt.

Neues Versandzentrum am Herdicksbach

Weil das Geschäft brummt, vergrößert sich „cushion pack“ jetzt sogar. Am Herdicksbach 9 entsteht ein neues Versandzentrum mit Lagerhalle. Der Bau hat gerade mit vorbereitenden Bodenarbeiten begonnen. Von hier werden die Polster- und Schredder-Maschinen sowie Ersatzteile künftig verschickt. Hergestellt und montiert wird unterdessen weiter am Bodensee. Auf das Qualitätssiegel „Made in Germany“ legen die Waltroper wert…

Die „CP316“ wird bei ebay versteigert

Noch einmal zurück zum Anfang des Textes. Weil ihre Firma so gut läuft, wollten Annika Schulze und Patrick Pohlmann jetzt etwas zurückgeben. Und da kommt die „CP316 S2i“ wieder ins Spiel. „Wir wollen die Maschine bei ebay versteigern und den Erlös an den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst im Kreis Recklinghausen spenden“, erzählen die Waltroper. Einen Grund gibt es dafür übrigens nicht.

Geld geht an Dattelner Einrichtung

„Wir haben keine Berührungspunkte und kenne da auch niemanden“, erzählt der 41-Jährige. Aber - und das betont der Unternehmer - er habe selbst eine kleine Tochter, genau so wie seine Schwägerin Annika Schulze. „Das ist so unvorstellbar. Ein Kinderhospiz ist das letzte, wo ich arbeiten könnte“, sagt Patrick Pohlmann voller Respekt für die Mitarbeiter der Einrichtung.

  • Die Versteigerung der eigens bunt lackierten Polstermaschine ist für Mitte Juli geplant. Sobald sie online geht, erfahren Sie es bei WaltropReporter.

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