Anwohner wollen Fahrradstraße - Ärzte- und Krankenhaus als Problem identifiziert

Die Stadt Waltrop hat am Dienstagabend zu einer Informationsveranstaltung in die Gesamtschul-Mensa eingeladen. Thema war die geplante Sanierung der Hochstraße im Oberdorf. Rund 50 betroffene Anwohner waren gekommen; mit Ideen im Gepäck.

Anwohner wollen Fahrradstraße - Ärzte- und Krankenhaus als Problem identifiziert

Zunächst eröffnete Bürgermeister Marcel Mittelbach (SPD) die Runde mit einleitenden Worten. Ihm sei es wichtig, „offen, ehrlich, konstruktiv und kritisch ins Gespräch zu kommen“, so der Bürgermeister.

Einigkeit: „Große“ Sanierung ist nötig

Anschließend stellte Ralf Hördemann vom zuständigen Planungsbüro „Weber Ingenieure“ noch einmal die beiden Sanierungs-Varianten vor, die er im Auftrag des zuständigen Fachausschusses erarbeitet hatte. Beide Varianten, so ist seit Anfang an klar, werden von den Anwohnern abgelehnt. Stattdessen sprechen sie sich für eine „Variante 0“ aus: Was Straßen-, Gehweg- und Parkplatz-Aufteilung angeht, soll alles so bleiben, wie es ist. Nur eben in neu. Dass eine ordentliche Sanierung im Oberdorf dringend notwendig ist, stellt niemand in Abrede.

Missverständnis bei der Auffassung von „Variante 0“

Letzterer Punkt scheint dem Experten des Planungsbüros nicht ganz klar gewesen zu sein. Er führte nämlich aus, dass „Variante 0 keine Variante ist, die man durchführen kann“, und begründete das mit dem „nicht regelkonformen Unterbau“ der Straße. Man müsse hier auf jeden Fall den ganzen Unterbau erneuern, mit einem Abfräsen der Fahrbahndecke sei es nicht getan.

„Jeder Anwohner sieht das!“

Zu Wort meldete sich daraufhin ein Anwohner, der noch einmal genau skizzierte, was er und seine Nachbarn erreichen wollen. „Es geht uns nicht um eine Instandhaltungsmaßnahme“, betonte er und sagte gleich, dass eine „echte Variante 0“ - sprich eine „große“ und fachgerechte Sanierung - absolut erforderlich sei. „Jeder Anwohner sieht das!“ Was die Oberdorf-Anwohner nicht wollen sei „eine Neuaufstellung, eine Neuordnung der Flächen“.

Planungsbüro sieht Gefahrenpotenzial, die Anwohner nicht

Auch beim Thema Parkplätze gingen die Meinungen zwischen Anwohnern und Planungsbüro auseinander. Die Anwohner wollen den Status quo beibehalten, um die jetzt vorhandenen 80 Stellplätze in etwa der gleichen Größenordnung beizubehalten. Ralf Hördemann spricht sich hingegen klar für eine Längsaufstellung der Autos aus, was die Gesamtzahl der Parkplätze auf 56-58 reduzieren würde. Die quer zur Straße angeordneten Parkplätze, so wie sie aktuell vielfach dort vorzufinden sind, seien „nicht zielführend und nicht zu befürworten“, sagte Hördemann mit Verweis auf ein erhöhtes Gefahrenpotential.

„Es funktioniert doch ohne Probleme!“

Ein Argument brachten die Anwohner jedoch vor, das weder der Planungsexperte noch die übrigen Verwaltungsmitarbeiter entkräften konnten: „Ich kann mich in den letzten zehn Jahren an keinen einzigen Unfall hier erinnern, der beim Ausparken mit Fahrradfahrern oder Fußgängern passiert ist“, brachte ein anderer Anwohner vor. „Es funktioniert doch ohne Probleme!“

Hochstraße soll Fahrradstraße werden

Ein weiteres Ziel der Hochstraßen-Sanierung: Der Durchgangsverkehr soll reduziert werden. Bei der aktuellen Planung sehen die Bewohner kein Mittel, das Erfolg versprechen könnte. Sie schlagen vor, die Hochstraße als Fahrradstraße auszuweisen. Damit wäre gleichzeitig das Problem gelöst, einen separaten Radfahrstreifen in dem ohnehin schon beengten Raum anzulegen.

Verkehrsuntersuchung favorisierte Fahrradstraße nicht

Dies sei mit Blick auf das Krankenhaus schwierig umzusetzen, sagte Baudezernent Andreas Scheiba. Ralf Hördemann erinnerte an eine Verkehrsuntersuchung im Oberdorf aus dem Jahr 2016, bei dem das Thema Fahrradstraße auch betrachtet, aber nicht favorisiert wurde. Ergebnis damals: In der Sache sollte die Hochstraße im Oberdorf am besten genau so bleiben, wie sie ist.

Krankenhaus und Ärztehaus sind das Problem

Stichwort Krankenhaus: Die Einrichtungen der Caritas Kliniken GmbH - auch das Ärztehaus - wurden sowohl von den Anwohnern als auch von der Stadt als Hauptverursacher für das Verkehrschaos und die desaströse Parkplatzsituation ausgemacht. Andreas Scheiba kündigte an, noch einmal „akut Gespräche“ mit den Caritas Kliniken GmbH führen zu wollen. Dabei wird es vor allem um Parkplätze gehen. Im hinteren Bereich des Krankenhauses wäre eine Erweiterung möglich. Inwiefern die Stadt durchsetzen kann, dass die Caritas Kliniken GmbH hier tätig wird, vermochte Scheiba aber nicht zu sagen.

Am Ende eine politische Entscheidung

Ergebnis der gestrigen Veranstaltung: Die Stadtverwaltung hat sämtliche Vorschläge der Einwohner notiert. Nun wolle man dies aufarbeiten. Am Ende muss sich der Fachausschuss erneut mit dem Thema beschäftigen, denn entschieden wird über die Sanierungsvariante am Ende von der Politik.

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