Feld in Sichtweite, Anfahrt unmöglich? „Erhalten Sie uns die Durchfahrtshöhe!“

„Bitte erhalten Sie uns die Durchfahrtshöhe!“ Theo Hemmerde, Landwirt aus Oberwiese, appellierte beim Ortstermin mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt förmlich, dass die marode Oberwieser Brücke nicht auf 2,50m höhenbeschränkt wird.

Feld in Sichtweite, Anfahrt unmöglich? „Erhalten Sie uns die Durchfahrtshöhe!“

Im Rahmen eines Treffens mit Landwirten, Jagdpächtern, Anwohnern und WSA-Vertretern anlässlich der Problematik mit den vielen Wildtieren, die im Dortmund-Ems-Kanal in Waltrop ertrinken, kam auch das Brücken-Thema zur Sprache. „Das brennt bei uns“, betonten die Landwirte. Was war passiert?

Landwirte sind auf Bauwerk angewiesen

Vor rund sechs Wochen hatte die Stadt Waltrop auf ihrer Website verkündet, dass das WSA plane, die Durchfahrtshöhe der Oberwieser Brücke von aktuell 3,40m auf 2,50m herabzusetzen. Umgesetzt worden ist das freilich noch nicht, lediglich eine Beschilderung an der Recklinghäuser Straße weist die neue Höhe schon aus. „Von uns Landwirten, die die Brücke jeden Tag nutzen, ist persönlich aber niemand informiert worden“, sagt Jodokus Niermann vom benachbarten Spargel- und Erdbeerhof verärgert. Er ist nicht der einzige, der die Brücke während der Hauptsaison beinahe täglich nutzt - und nutzen muss. „Wie soll ich denn sonst auf meine Felder hinterm Kanal kommen?“

Von den Feldern abgeschnitten

Dass die Durchfahrtshöhe für die anliegenden Bauern entscheidend sei, betont Theo Hemmerde noch einmal. Er sagte weiter, dass er ohne die Oberwieser Brücke - inklusive der 3,40m Durchfahrtshöhe - seine Felder gar nicht mehr erreichen würde. Selbst ein Umweg über Castrop-Rauxel sei nur sehr begrenzt möglich. Ebenso betroffen von der Brücken-Problematik ist Anette Schlüter-Niedermeier. Die Betreiberin der Gaststätte „Zur Lohburg“ wies darauf hin, dass Lieferanten mit dem Lkw nicht mehr zu ihr hinkommen würden.

Gibt es ein amtliches Nutzungsrecht?

Unterdessen wollen sich die Landwirte an eine Vereinbarung erinnern, die vor über 120 Jahren im Zuge des Kanalbaus geschlossen worden sein soll. Demnach sei ihnen ein ausnahmsloses Nutzungsrecht der Brücke eingeräumt worden um eben sicherzustellen, dass der damals neue Kanal ihre Arbeit nicht beeinträchtigt. Das Problem: Etwas Schriftliches dazu ist noch nicht aufgefunden worden.

WSA prüft Anliegen

WSA-Vertreterin Barbara Stockem hörte den Anwohnern zu und machte sich Notizen. Sie ging mit dem Versprechen, das Anliegen in ihrem Hause vorzubringen. Während die Oberwieser Brücke laut Barbara Stockem beim WSA eigentlich als eines der Bauwerke galt, das dringlich erneuert werden sollte, soll der Brücken-Austausch nach neuesten Informationen noch „zehn bis 15 Jahre“ auf sich warten. Warum, das vermochte auch die WSA-Vertreterin aus dem Stegreif nicht zu sagen. „Das ist nicht mehr mein Fachbereich“, begründete sie.

Vertreterin der Stadt war auch vor Ort

Die Diskussion verfolgt hatte auch Andrea Middendorf aus dem Büro von Bürgermeister Marcel Mittelbach (SPD). Die Vertreterin der Stadt Waltrop nahm unter anderem die Anregung mit auf, eine Beschilderung „Landwirtschaftlicher Verkehr frei“ zu prüfen. So könnte womöglich die Durchfahrtshöhe von 3,40m beibehalten werden, hoffen die Anlieger. Auch das Thema Behelfsbrücke soll noch einmal geprüft werden.

Logo