Vor 30 Jahren: Wie eine Hollywood-Diva ihren Praxis-Start „vermasselte“

„Eigentlich wollte ich meine Praxis an einem Samstag eröffnen“, erinnert sich Gundula Krah-Stern. Um genau zu sein am 21.9.1991 - so war jedenfalls der Plan. Dass es der 18.9.1991 wurde - heute vor 30 Jahren - daran ist eine Hollywood-Diva Schuld...

Vor 30 Jahren: Wie eine Hollywood-Diva ihren Praxis-Start „vermasselte“

Diese Geschichte gehört in die Kategorie „Das vergisst man sein ganzes Leben nicht“. Und auch Gundula Krah-Stern, die längst zu Waltrops besten Physiotherapeutinnen gehört, kann von dieser einen Begebenheit ganz zu Beginn ihrer Selbstständigkeit noch beinahe minutengenau berichten.

Sorry - keine Zeit

Alles fing an mit einem unerwarteten Anruf von den Warner Bros.-Filmstudios in München. „Ich wurde gefragt, ob ich vom 19. bis 22. September eine Schauspielerin betreuen könnte“, erzählt Gundula Krah-Stern. Mit zarten 23 Jahren und dem beruflichen Neustart vor Augen entfläuchte ihr kurzum eine Antwort, die sie Minuten später bereits bereuen sollte: „Ne, das geht nicht. Da eröffne ich meine Praxis.“ Und schon war das Telefonat, das überhaupt erst auf Empfehlung eines damals sehr bekannten Physiotherapeuten aus Leverkusen zustande kam, bei dem die Waltroperin kurz zuvor eine Fortbildung gemacht hatte, wieder vorbei.

Zum Glück klingelte es ein zweites Mal

„Ich bin dann zu meiner Schwester gegangen und hab ihr gesagt, dass ich Mist gebaut habe“, erzählt die heute 53-Jährige. Doch der Anrufer aus München, der ihr zuvor ans Herz gelegt hatte, sich das Ganze doch noch einmal zu überlegen und dass er erneut anrufen würde, hielt Wort. Am nächsten Tag klingelte das Telefon wieder und diesmal sagte Gundula, die damals nur den Namen Krah trug, zu. Eine Entscheidung, die sie nicht bereuen sollte…

„Der Film war Mist“

Am Tag nach der kleinen Feierstunde anlässlich der Eröffnung ihrer Physiotherapie-Praxis an der Kieselstraße machte sie sich also auf den Weg nach Köln. Dort fand die Premiere des Films „Zauber der Venus“ statt, in dem es um eine Wagner-Oper ging. „Der Film war totaler Mist“, erinnert sich Gundula Krah-Stern grinsend. Die Premierenveranstaltung selbst, genau so wie die restlichen Tage ihres Auftrages, waren umso beeindruckender. Denn die Schauspielerin, die sie während ihres Deutschland-Aufenthaltes physiotherapeutisch behandeln sollte, war keine Geringere als Hollywood-Star Glenn Close.

„Hi, I’m Glenn“

„Glenn war richtig cool“, erzählt Gundula Krah-Stern. Ob es an ihrer jugendlichen Unbekümmertheit lag, dass sie damals „gar nicht richtig aufgeregt“ war, weiß sie nicht. Aber es war so. Dabei hätte man nicht nur als junge Frau durchaus eingeschüchtert sein können von den vielen Bodyguards, die die berühmte Schauspielerin allein in ihrem Hotel abschirmten. „Als ich sie dann das erste Mal gesehen hab, hat sie einfach gesagt ,Hi, I’m Glenn’.“ Das Eis war gebrochen, die Chemie stimmte. Und von Hollywood-Starallüren keine Spur. „Sie hatte eine beige Hose an und Knopf und Reißverschluss waren offen“, erinnert sich die Waltroperin noch ganz genau.

Monty Python, Mutter Beimer und Alfred Biolek

Gut drei Stunde habe sie Glenn Close an diesem Tag behandelt - „das war relativ lange“. Dafür entschädigte später nicht nur der dicke Scheck über 1.815 Mark, den die junge Pysiotherapeutin mit nach Hause nahm. Auch die Begegnungen mit Monty Python, Mutter Beimer und dem kürzlich verstorbenen Alfred Biolek, den sie damals im Rahmen der Premiere und im Überschwang der Emotionen beinahe wie einen alten Freund begrüßte, entschädigen vollumfänglich bis heute.

Uwe Seeler hat „dicke Waden“

Ein paar Berühmtheiten hatte Gundula Krah-Stern im Laufe der Jahre unter ihren Fittichen. Die Fußballer Uwe Seeler („Der hat ganz dicke Waden!“) und Klaus Fischer zum Beispiel. Glenn Close, die damals auch noch einen Auftritt bei „Wetten, dass…“ hatte, hat sie aber nie wieder gesehen…

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