„Bonzenpartei“ CDU? Überschaubare Selbstkritik, Kampfkandidatur um Posten

Bei der CDU in Waltrop bleibt im Grundsatz alles beim Alten. Partei-Chef Ludger Finke wurde erwartungsgemäß mit großer Mehrheit wiedergewählt. Die angekündigte, „selbstkritische Analyse“ der verlorenen Wahlen fiel unterdessen sparsam aus.

„Bonzenpartei“ CDU? Überschaubare Selbstkritik, Kampfkandidatur um Posten

„Wie konnte das passieren?“ rekapitulierte Finke eingangs vor 42 Mitgliedern im Art-Café Five Seasons noch einmal. Gemeint war das schlechte Ergebnis bei der Kommunalwahl in Waltrop, das darin mündete, das Rathaus an die SPD mit Marcel Mittelbach verloren zu haben. Eine wirkliche Antwort hatte der mit 40 von 42 Stimmen wiedergewählte Parteivorsitzende auch ein Jahr danach noch nicht.

Bild „schwer zu korrigieren“

Dafür ging Finke auf das Bild ein, das Bürger in Waltrop offenbar von seiner Partei hätten. Wenn man „im Hintergrund als Bonzenpartei bezeichnet“ werde, sei dieses Bild nur schwer wieder zu korrigieren, stellte Ludger Finke fest.

„Das ist auf keinen Fall hinnehmbar“

Sein Unverständnis drückte der CDU-Chef derweil darüber aus, in welcher Form „einige neue SPD-Ratsmitglieder“ den Ton gegenüber seiner Partei verschärfen würden. Von einem „CDU-verseuchten Einzelhandelslokal“ soll gesprochen worden sein. Er habe die SPD-Führung bereits darauf angesprochen, so Finke. „Das ist auf keinen Fall hinnehmbar.“

Laschet war richtige Wahl

Mit Blick auf die verlorene Bundestagswahl hatte Ludger Finke unter anderem einen „schwachen Wahlkampf“ und „Fehler der Spitzenkandidaten“ ausgemacht. Die eigentlichen Inhalte seien deshalb verwässert worden. Armin Laschet als „konservative Führungsfigur“ und als „Mensch des Ausgleichs“ ins Rennen geschickt zu haben, halte er weiterhin für die richtige Wahl.

„Altes Schlachtross“ Hegemann

Deutliche Worte über den Zustand der CDU fand unterdessen Lothar Hegemann, das „alte Schlachtross der CDU in Recklinghausen“, wie ihn Finke vorstellte. Hegemann leitete die Versammlung größtenteils und machte deutlich, dass an der Partei-Basis „alles topfit“ sei. „Es heißt immer, wir müssen uns erneuern. Das ist eine Schutzbehauptung“, sagte Hegemann, der sich bereits jetzt „optimistisch für die anstehenden Landtagswahlen“ zeigte, „weil diese Koalition viel Mist machen“ werde.

Mehr Unterstützung für die Junge Union

Bevor es zu den Vorstandswahlen ging, blickte Ludger Finke noch kurz nach vorne. Mehr Unterstützung für die Junge Union („Das habe ich unterschätzt“) und Werbung um neue Mitglieder seien nun die Aufgaben. Zudem eine bessere Kommunikation - extern, aber auch innerhalb der eigenen Partei.

Finkenbusch gewinnt Kampfkandidatur

Die Wahlen verlief dann mit einer Ausnahme erwartungsgemäß. Finke wurde im Amt bestätigt, als stellvertretende Vorsitzende wurden Tobias Schülken, Anja Kuhnert und Claudia Fischer mit breiter Mehrheit gewählt. Eine Kampfkandidatur gab es um den Posten der Schriftführerin. Anne Cruse hatte man sich im Vorfeld dafür ausgeguckt und vorgeschlagen, Mira Finkenbusch hatte aber ebenfalls ihren Hut in den Ring geworfen. Finkenbusch war es dann auch, die von der Versammlung mit 26:14-Stimmen gewählt wurde.

Keiner hatte was zu sagen

Übrigens: Das Bedürfnis einer (kritischen) Aussprache hatte die Versammlung nicht. Die Berichte Finkes trafen offenbar mehrheitlich den Tenor seiner Parteifreunde.

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