„Wir sind geschockt“: Ärzte dürfen Lehrer und Erzieher nicht erneut impfen

Die Waltroper und Dattelner Ärzteschaft ist sauer. Wie die Mediziner jetzt per E-Mail erfahren haben, dürfen sie die rund 700 Lehrer und Erzieher, die sie vor fast 12 Wochen erstmals geimpft haben, nicht wie geplant zum zweiten Mal impfen.

„Wir sind geschockt“: Ärzte dürfen Lehrer und Erzieher nicht erneut impfen

Das ist ein „dicker Hund“ aus Sicht der Ärzteschaft: Eigentlich hätten sie in einigen Waltroper und Dattelner Praxen in der kommenden Woche mehrere Hundert Lehrer und Erzieher mit dem Impfstoff von Biontech immunisiert. Es wäre die Folgeimpfung der groß angelegten Impfaktion in der Schule Oberwiese Mitte März gewesen (siehe Video in diesem Text). Doch das hat der Kreis Recklinghausen nun untersagt und stattdessen allen betroffenen Lehrern und Erziehern einen Termin im Impfzentrum des Kreises angeboten. Offizielle Begründung: Aus logistischer Sicht - es geht um die Impfstoffverteilung - sei das nicht anders machbar. So erklärt es Kreis-Sprecherin Lena Heimers auf Nachfrage von WaltropReporter.

Verdacht: Eine politisch-wirtschaftliche Entscheidung

Dr. Felix Gahlen, der seit Beginn der Pandemie mit einigen im Ärzte-Netzwerk „Vestnet“ organisierten Medizinern zu den Hauptprotagonisten im Einsatz gegen das Corona-Virus in Waltrop und Datteln zählt, sieht eine andere Motivation hinter dieser Entscheidung. „Das ist rein politisch und wirtschaftlich motiviert“, glaubt Dr. Gahlen. „Wir sind über diese Entscheidung geschockt, sauer, wütend und enttäuscht.“

Die Früchte ernten andere

Es war die intensive Vorarbeit, die vielen Aufklärungsgespräche, die überhaupt erst dazu geführt haben, dass sich nahezu alle Lehrer und Erzieher trotz der Vorbehalte haben „erstimpfen“ lassen mit dem Impfstoff von AstraZeneca. Geleistet wurde diese Arbeit von den Vestnet-Ärzten, nicht vom Impfzentrum des Kreises. Letzteres erntet jetzt trotzdem die Früchte, die andere gesät haben. So empfinden es jedenfalls die Vestnet-Ärzte. Es geht ihnen darum, ihre Arbeit jetzt auch beenden zu dürfen.

Unzureichende Auslastung des Impfzentrums

Unsere Redaktion hat beim Kreis Recklinghausen nachgefragt, wie hoch aktuell die Auslastung des Impfzentrums ist. Lena Heimers gab Auskunft. „Anfang Juni liegen wir so bei 1200 bis 1500 Impfungen am Tag.“ Theoretisch möglich wären 2500 Impfungen, wie die Kreis-Sprecherin bestätigt, so denn genug Impfwillige nach Recklinghausen kommen. Dass die unzureichende Auslastung des Impfzentrums der wahre Grund hinter der jetzigen Anordnung ist, das glaubt unterdessen nicht nur Dr. Felix Gahlen.

Nur noch vier Lieferziele pro Woche

Lena Heimers betont unterdessen, dass „die Entscheidung in erster Linie keine wirtschaftliche“ sei. „Das Land hat entschieden, dass wir nur noch vier Anlieferungsorte von mobilen Impfteams benennen dürfen - pro Woche und im gesamten Kreis Recklinghausen.“ Zuvor habe man zehn, 15 oder auch 20 Stellen am Tag benennen können, so Heimers weiter. „Und jetzt liegt der Schwerpunkt auf Lieferorte, wo Menschen nicht mobil sind wie in Beatmungs-WGs.“ Wie Lena Heimers betont, sei man auch beim Kreis nicht glücklich über diese Anordnung des Landes.

Die Gefahr ist dem Kreis zu groß

Unsere Redaktion bat die Kreis-Sprecherin unterdessen zu prüfen, ob die Vestnet-Ärzte den Impfstoff dann nicht einfach selbst im Impfzentrum des Kreises abholen könnten. Dann wäre man schließlich nicht angewiesen auf die limitierten Transport-Ziele der Landes-Logistiker. Nach Rücksprache mit dem Impfzentrum verneinte Lena Heimers diesen Vorschlag jedoch. „Der Biontech-Impfstoff ist nicht einfach zu transportieren. Es müssen Kühlketten eingehalten werden.“ Die Gefahr, „dass der Impfstoff nicht heile ankommt“, sei dem Kreis zu groß.

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