Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch von Kindern: 147 Fälle allein in 2020

Kinder und Jugendliche besser gegen Straftaten und sexualisierte Gewalt schützen - um das zu schaffen, trafen sich nun Fachleute der Polizei, der Jugendämter und der Schulämter im Polizeipräsidium Recklinghausen zur 1. Sicherheitskonferenz.

Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch von Kindern: 147 Fälle allein in 2020

„Die Fälle von sexuellem Missbrauch in Lügde, Bergisch-Gladbach und Münster sind nur die Spitze des Eisbergs. Sie stehen exemplarisch für eine Vielzahl von weiteren Fällen, von weiteren Schicksalen“, schreibt die Polizei. Allein im letzten Jahr sind im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Recklinghausen, zu dem auch Waltrop zählt, nach Polizei-Angaben 147 Kinder sexuell missbraucht worden. Freilich sind das nur die Fälle, die bekannt geworden sind.

Die Dunkelziffer ist groß

„Für 147 Kinder konnte das Martyrium im letzten Jahr beendet werden. Was bleibt sind die traumatischen Erfahrungen für die Betroffenen, die Auswirkungen auf das ganze Leben haben. Was bleibt ist aber auch ein großes Dunkelfeld mit anhaltendem Missbrauch, mit weiter bestehendem Leid für die Schwächsten in unserer Gesellschaft", sagt Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen.

Effektiverer und strukturierterer Informationsaustausch

Für die Stadt Waltrop hat - wie dem Bild zu entnehmen ist - Christiane Bröcker, Fachbereichsleitung Jugend, Soziales und Schule, an der Sicherheitskonferenz teilgenommen. Die Teilnehmer seien sich einig gewesen, so ist es der Pressemitteilung der Polizei zu entnehmen, dass „sexualisierte Gewalt so früh wie möglich erkannt werden muss, um das Dunkelfeld zu erhellen.“ Um das zu erreichen, wollen sich die Behörden weiter vernetzen und Maßnahmen erarbeiten, um Informationen strukturierter und effektiver auszutauschen.

Puzzleteile zusammenfügen

Polizeipräsidentin Friederike Zurhausen sagt: „Wenn es uns gelingt, diese Informationen zu bündeln, wichtige Puzzleteile zusammen zu bringen, wird sich ein Gesamtbild ergeben. Im Idealfall wird uns dieses umfassende Bild noch schneller in die Lage versetzen, betroffenen Kindern oder Jugendlichen frühzeitiger helfen zu können. Je früher Anzeichen von Kindeswohlgefährdung erkannt werden, desto eher können wir präventive Maßnahmen umsetzen, desto eher können wir einen anhaltenden Missbrauch beenden."

Anzeigebereitschaft ist oft gering

„Ein Großteil der Taten zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen“, so schreibt es die Polizei, „ereignen sich im sozialen Umfeld, wobei die Anzeigebereitschaft oft gering ist.“ Menschen im direkten Kontakt mit den Kindern seien aber die ersten, die Anzeichen von Gefährdung oder Missbrauch erkennen können. „Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit ist ein wichtiger Ansatzpunkt für uns, um die Täter aus der Anonymität zu holen. Nur wenn wir als Gesellschaft das als Gemeinschaftsaufgabe ansehen, wenn alle genau und zielgerichtet hinsehen, wird sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen frühstmöglich erkannt und beendet", sagt die Polizeipräsidentin. In der ersten Sicherheitskonferenz wurden weitere, regelmäßige Treffen vereinbart.

(Text mit Material der Pressemitteilung der Polizei)

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