Bewegender Besuch aus Arloff-Kirspenich: Es gibt jetzt zwei konkrete Hilfsaktionen

Martin Mehrens kam mit dem Rollstuhl zur Feuerwache Waltrop. Der engagierte Krisen-Manager aus dem kleinen Dörfchen Arloff-Kirspenich in Bad Münstereifel hat sich die Achillessehne gerissen. Überlastung im unermüdlichen Fluthilfe-Einsatz.

Bewegender Besuch aus Arloff-Kirspenich: Es gibt jetzt zwei konkrete Hilfsaktionen

Fast zwei Monate ist es jetzt her, als das Hochwasser das 2.400-Einwohner-Dorf schwer erwischt hat. „Normalerweise beträgt der Pegelstand der Erft 22 Zentimeter“, schildert Martin Mehrens. Am Abend des 14. Juli waren es 247 Zentimeter. Unvorstellbare Wassermassen, die Straßen, Brücken und Autos mitrissen und eine Schneise der Verwüstung zurückgelassen haben.

300 Häuser betroffen, eine Dame verstorben

Rund 300 Wohnhäuser wurden teils beträchtlich beschädigt, etwa 15, so schätzt Mehrens vorsichtig, seien gar nicht mehr zu retten. Was noch viel schlimmer als der materielle Verlust ist: „Eine Dame bei uns aus dem Dorf ist dabei leider verstorben“, berichtet Martin Mehrens. Eine weitere Person aus dem Nachbardorf sei von den Wassermassen angespült worden. Tot.

Rettungskräfte eilten herbei

Über das Jahrhunderthochwasser, das unter anderem im Raum rund um Bad Münstereifel für heftige Verwüstung gesorgt hatte, berichteten Medien deutschlandweit. Rettungs- und Hilfskräfte machten sich von überall auf den Weg in die Krisenregionen, auch die Feuerwehr Waltrop rückte einmal aus, in diesem Fall nach Wuppertal.

Waltroper Feuerwehr wollte mehr tun

Doch in Reihen der Waltrop Einsatzkräfte wollte man mehr tun, auch wenn es von der Leitstelle keinen offiziellen Marschbefehl mehr gab. Man wollte einen Beitrag leisten, um den von den Fluten getroffenen Menschen zu helfen. Es war die Geburtsstunde des Fluthilfe-Fonds, den dann der Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Waltrop aufgelegt hat. Binnen weniger Tage waren bereits 10.000 Euro an Spendengeldern zusammengekommen. Inzwischen ist der Spenden-Fonds auf etwa 80.000 Euro angewachsen. Jetzt wird ein erster Teil des Geldes - 52.500 Euro - eingesetzt.

Dorfrat soll faire Aufteilung sicherstellen

Weil es um viel Geld geht, haben Martin Mehrens und seine Mitstreiter einen Dorfrat gegründet. Die Dorfvereinsgemeinschaft, die normalerweise Kirmes und Martinszug organisiert, ist genau so involviert wie Vertreter der Grundschule, der Kirchen und der Kitas. Dieser Rat soll völlige Transparenz und eine absolut faire Aufteilung der Spendengelder sicherstellen.

175 Antragssteller bekommen jetzt Geld

Anhand einer gleich zu Anbeginn der Katastrophe angefertigten Flutkarte wurde ein Gebiet festgelegt, wer Anspruch darauf hat, Geld aus dem Hilfsfonds zu bekommen. Es folgten diverse persönliche Gespräche und ein offizielles Antragsformular, das rechtssicher angelehnt ist an den offiziellen Soforthilfe-Anträgen des Landes. „Danach haben wir die Anträge bewertet und die strittigen Fälle aussortiert“, berichtet Martin Mehrens. Am Ende dieses Prozesses blieben 175 Antragssteller, die jetzt Geld aus dem Fluthilfe-Fonds der Feuerwehr Waltrop bekommen: 300 Euro pro Antragssteller. Und nochmal 300 Euro aus der Spendenkasse des Dorfes Arloff-Kirspenich selbst.

Großes Vertrauensverhältnis

„Wir haben gemeinsam beschlossen, dass wir den Betrag von 300 Euro verdoppeln“, erklärt Waltrops Feuerwehr-Sprecher Jochen Möcklinghoff, der von einem „großen Vertrauensverhältnis“ zu Martin Mehrens und seinen Mitstreitern spricht.

Ein persönlicher Besuch in Waltrop

Mehrens selbst - und da sprach er stellvertretend für seine Dorfgemeinschaft - ist „angefasst von der großen Hilfsbereitschaft“, die seine Stadt erreicht hat. „Waltrop ist ein Musterbeispiel für das, was wir erlebt haben. So viele Menschen von außen haben geholfen, die vorher gar keinen Bezug zu uns hatten.“ Jetzt einmal persönlich nach Waltrop zu kommen, sich zu bedanken und über den Stand der Dinge zu berichten, das war dem verunfallten Krisen-Manager trotz des Rollstuhls ein großen Anliegen.

Ein neuer Spielplatz soll her

Auch das restliche Geld, das im Waltroper Fluthilfe-Fonds liegt, soll in Arloff-Kirspenich eingesetzt werden. Es geht um den Wiederaufbau eines Spielplatzes, den eine Waltroper Firma umsetzen soll - allerdings erst im kommenden Jahr. Wir berichten, sobald es Neuigkeiten gibt.

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