Wissenschaft zum Anfassen: Waltroper Karton-Bausätze erobern die Welt

Wieso bewegen sich Sonne, Mond und Planeten so, wie sie sich bewegen? Warum kann ich mit dem Newton-Spiegelteleskop Mondkrater sehen? Und was hat es eigentlich mit dem Stirling-Motor auf sich? Fragen, auf die AstroMedia Antworten gibt - aus Karton.

Wissenschaft zum Anfassen: Waltroper Karton-Bausätze erobern die Welt

„Bastelspaß der Wissen schafft“ steht in Großbuchstaben auf dem 87 Seiten starken Produkt-Katalog. Damit ist in groben Zügen das beschrieben, was der Wissenschaftsverlag AstroMedia tut. Das Waltroper Unternehmen beschäftigt sich damit, komplexe, naturwissenschaftliche Zusammenhänge beim Aufbau eines Modells für jedermann verständlich zu erklären. „Unser Konzept ist eigentlich einfach. Ich bin beschäftigt, lerne dabei etwas und habe hinterher ein Produkt, das funktioniert“, erklärt Jürgen Lehmann, Geschäftsführer der AstroMedia GmbH.

Kopernikus-Planetarium aus Karton

Bei den Produkten handelt es sich um solche aus den Wissenschaftsbereichen der Astronomie, Physik, Optik, Mathematik und Technik: Kompass-Sonnenuhr, Galileo-Teleskop, Sextant, Tisch- oder auch Kopernikus-Planetarium, um nur einige zu nennen. Basis aller Bausätze ist ein stabiler Karton. Denn das ist die Grundidee: Sämtliche Modelle - natürlich wissenschaftlich-exakt funktionsfähig - werden aus Karton hergestellt.

Klaus Hünig ist der Entwickler

Urvater und Entwickler dieser Bausätze ist Klaus Hünig (75). „Er ist eigentlich Lehrer“, sagt Jürgen Lehmann, der seinen heutigen Geschäftspartner und Freund im Jahr 1998 kennenlernte. Zum Geburtstag hatte Lehmann damals ein „Kosmos Himmelsjahr“ bekommen, dem eine Brille aus Pappe beilag. „Am 11. August 1999 gab es eine spektakuläre Sonnenfinsternis in Deutschland“, erinnert sich der Waltroper noch heute ganz genau. Als Hobby-Astronom habe ihn das sehr interessiert. Und mit der Brille - ein Pfennigs-Produkt - war es möglich, in die Sonne zu gucken und die Finsternis zu verfolgen.

Keine Brille - kein Blick in die Sonne

Man könnte es wohl als Geistesblitz bezeichnen, aber für Jürgen Lehmann war sofort klar: Diese Papp-Brillen werden alle haben wollen, wenn es so weit ist! Denn ohne Brille war der Blick in die Sonne ja nicht möglich. Bereits am Tag nach seinem Geburtstag hatte er Kontakt mit dem Macher dieser Brillen aufgenommen, Klaus Hünig. „Ich bin dann direkt nach Würzburg zu Klaus Hünig gefahren und habe ihm gesagt, dass wir daraus ein Riesengeschäft machen müssen.“ Und die zwei Männer, die sich bis dahin nicht kannten, machten ein Riesengeschäft daraus: Vier Millionen Brillen setzten Lehmann und Hünig allein in Deutschland ab, europaweit waren es über zehn Millionen. Eine absolute Erfolgsgeschichte, über die damals viele Medien berichteten.

Nach dem Erfolg kam der Einbruch

Was dann passierte? Das Geschäft brach von jetzt auf gleich ein, die Verkaufskurve der Sonnen-Sichtbrillen krachte auf null. Der Hype war logischerweise beendet, denn bis zur nächsten Sonnenfinsternis dieser Art würde es Jahrzehnte dauern. Doch Klaus Hünig blieb am Ball, entwickelte neue, wissenschaftliche Karton-Bausätze. Und Jürgen Lehmann, damals bei einer Druckerei beschäftigt, druckte die Bausätze für den Entwickler. „Es ist mit den Jahren eine richtige Freundschaft entstanden“, erzählt der Waltroper, der „eine unheimliche Begeisterung für Klaus Hünigs Sachen“ hatte und noch heute hat.

Auch der zweite Streich gelingt

Die AstroMedia GmbH gab es da allerdings noch nicht. Die haben Lehmann und Hünig erst im Jahr 2017 gegründet. Weil die Druckerei, bei der er beschäftigt war, aufgelöst wurde, stand Jürgen Lehmann mit 57 Jahren plötzlich vor der Situation, arbeitslos zu werden. „Und gleichzeitig war Klaus mit seiner Vertriebsfirma unzufrieden.“ So kam es, wie es kommen musste: Knapp 20 Jahre nach ihrem ersten gemeinsamen Streich haben sich die Freunde noch einmal beruflich zusammengetan und die AstroMedia GmbH gegründet. Und wen wundert’s - wieder mit Erfolg.

„Wir halten 176 Artikel vor“

Zur Produktpalette gehören heute längst viel komplexere Bausätze als die Sonnen-Sichtbrille, mit der einst alles begann. „Wir halten 176 Artikel vor“, erzählt Jürgen Lehmann. Eines der umfangreichsten ist die 76-teilige Wimshurst-Maschine, ein vollfunktionsfähiger Hochspannungsgenerator. Was den Bau der Wimshurst-Maschine angeht, gibt Jürgen Lehmann nur einen Tipp: „Der Weg ist das Ziel.“

Neuentwicklungen sind schon in der Mache

Aus ihrem neuen Lager und Büro „Im Wirrigen“ exportiert AstroMedia inzwischen wissenschaftlichen Bastelspaß in die ganze Welt: Japan, Honkong, Polen, England, Niederlande, Korea. „Wir sind im Grunde konkurrenzlos“, sagt Jürgen Lehmann. Und der Hobby-Astronom versichert: Obwohl Klaus Hünig mit seinen 75 Jahren nicht mehr der Jüngste sei, habe er schon wieder Neuentwicklungen in der Pipeline. Die sind demnächst dann neben Wimshurst-Maschine und Co. natürlich auch im AstroMedia-Katalog zu finden…

  • AstroMedia hat auch einen Onlineshop: www.astromedia.de

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