„Gefühlt wird alles schlechter“: Das Dilemma mit der Hochstraße

Am Ende war man sich mehr oder weniger einig am Donnerstagnachmittag im Fachausschuss: Sanierungs-Variante 2 für die Hochstraße ist untragbar, sie wird neben der Variante 1 aber trotzdem bei der kommenden Bürgerbeteiligung vorgestellt.

„Gefühlt wird alles schlechter“: Das Dilemma mit der Hochstraße

Diesen Vorschlag machte Ausschuss-Vorsitzende Monya Buß (Grüne) mit Verweis darauf, dass man die alternative Sanierungs-Variante schließlich extra habe anfertigen lassen. So wurde es dann auch beschlossen. Nun wird die erste von mehreren Bürgerbeteiligungen zum Thema vorbereitet.

Neue Variante enttäuscht alle

Während das Ergebnis am Ende einmütig ausfiel, hatten die politischen Lager zuvor ebenso unisono erklärt, von der neuen Sanierungs-Variante, die den Fuß- und Radverkehr priorisieren sollte (siehe verlinkten Bericht in diesem Text), enttäuscht zu sein. Unterschiede gab es dann allerdings in den verbalen Ausführungen.

Während Detlev Dick (SPD) als einer der letzten Redner davon sprach, dass „Variante 1 Hand und Fuß hatte“ und dass man doch bitte „mehr Vertrauen in die Stadtplanung“ haben sollte, vermochte der aufmerksame Zuhörer auch einen Hauch von Fehlereingeständnis herauszuhören. „Die Politik wollte unbedingt noch was dazu sagen, deshalb haben wir jetzt auch die Variante 2“, konstatierte Dick, der festhielt: „Für uns ist dieses Ergebnis kein Ergebnis.“

Grüne wollen Allee-artigen Ausbau

Mit einem Kompromissvorschlag hatte unterdessen Matthias Erfmann, Sachkundiger Bürger für die Grünen, die Diskussion zum Thema eröffnet. Er zeigte noch einmal auf, dass man sich in Waltrop grundsätzlich dafür ausgesprochen habe, dem Radverkehr Vorzug gegenüber dem Autoverkehr einzuräumen. Im Falle der Hochstraße seien aber Kompromisse gefragt, diese dürften aber „nicht faul sein“. Erfmann sagte, dass gesonderte Radwege nicht unbedingt nötig seien, wenn es auf der Hochstraße ein Tempolimit von 30 km/h gebe. Dafür solle man nach Meinung der Grünen einen „Allee-artigen Ausbau vornehmen“ mit dem Ziel, ein „geschlossenes Kronendach“ über der Straße zu schaffen. Um das zu erreichen, sollten gezielte einige Parkplätze gegen Baumscheiben getauscht werden. Erfmann könne sich vorstellen, „etwa die Hälfte“ der Parkplätze zu ersetzen.

„War niemals Intention der CDU“

Mira Finkenbusch (CDU) betonte eingangs, dass ein „völliger Vorrang für Radfahrer niemals die Intention der CDU“ gewesen sei. Die nun vorgestellte Sanierungs-Variante 2 habe sie für einen „reinen Trotzvorschlag“ gehalten. Mit Blick auf beide Sanierungs-Vorschläge sagte Finkenbusch: „Gefühlt wird alles schlechter.“ Dabei solle es ihrer Meinung nach doch das Ziel von Neuplanungen sein, dass es „mindestens ein gleichwertiges Ergebnis oder eine Verbesserung gibt“. Das könne sie so nicht erkennen. Wiewohl: Einen Lösungsvorschlag hatte die CDU-Frau nach eigenem Bekunden auch nicht.

Alles so lassen wie es ist?

Thema Lösungsvorschlag: Nachdem Ralf Hördemann vom Planungsbüro „Weber Ingenieure“ eine alte Untersuchung zitierte, wonach es das Beste sei, an der Hochstraße „alles zu lassen wie es ist“, hakte FDP-Vertreter Dr. Jens Jordan noch einmal nach: „Wenn Variante null die beste wäre - warum machen wir das hier dann überhaupt?“

Einbahnstraße im Oberdorf war eine Idee

Bei der Antwort war Waltrops Stadtplaner Andreas Scheiba gefragt. Er zeigte mit Blick auf die von Hördemann angesprochene Untersuchung auf, dass es seinerzeit nicht um den Ausbau der Straße als solchen ging, sondern um die generelle Verkehrsführung. Unter anderem war auch die Möglichkeit untersucht worden, aus der Hochstraße im Oberdorf eine Einbahnstraße zu machen.

Elfmeter verwandelt oder Pfostenschuss?

Während Matthias Erfmann kurz vor Schluss noch schnell festhalten wollte, einen „Elfmeter verwandelt“ zu haben, nachdem er auf die „beachtliche Rolle rückwärts der CDU“ hinwies, entgegnete deren Fraktionschef Andreas Brausen, dass Erfmann „maximal den Pfosten getroffen“ hätte. Ein kleines Scharmützel am Rande, das freilich nicht hilfreich war, um das große Dilemma mit der Hochstraße zu lösen.

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