Stadt bleibt hart: Birgit Kaisers Mandelbude soll weg

Es sieht so aus, als wäre das Kapitel Waltrop für Schaustellerin Birgit Kaiser und ihre kleine Mandelbude in Kürze beendet. Die Stadt will, dass der Verkaufswagen vor dem Frühstücks-Café der Familie Bramsel verschwindet.

Stadt bleibt hart: Birgit Kaisers Mandelbude soll weg

Mit einem ausführlichen Facebook-Post hat sich Grundstücksbesitzer Dietmar Bramsel nun zu Wort gemeldet. Das, was der Waltroper darin schilderte, ist auf viel Verständnis gestoßen - anders herum ausgedrückt war gleichzeitig sehr viel Unverständnis mit Blick auf die Stadtverwaltung im Spiel. Kurzum: Der Mandel-Verkaufswagen von Birgit Kaiser aus Dortmund soll eigentlich bis zum 16. Mai weg - plus Gnadenfrist bis Monatsende. Begründung: „Das Grundstück, auf dem sich der Mandel- und Süßwarenverkaufswagen befindet, liegt im Außenbereich der Stadt Waltrop. In Außenbereichen ist das Aufstellen von Verkaufswagen generell unzulässig.“ Das teilt Stadt-Sprecherin Andrea Middendorf heute auf WR-Anfrage mit.

Im Recht ja - aber was ist mit der Zusage?

Was die Rechtslage angeht, habe die Stadt wohl Recht, sagt auch Dietmar Bramsel. Was er allerdings anbringt: Es habe eine mündliche Zusage aus dem Ordnungsamt gegeben, dass der Mandel-Verkaufswagen so lange dort stehen dürfte, bis die Corona-Situation überstanden sei. „Und Corona ist noch nicht vorbei.“

„Wollte nicht zum Amt gehen“

Dass Birgit Kaiser, die einer eingefleischten Schausteller-Familie angehört, vergangenes Jahr überhaut in Waltrop aufgeschlagen ist, hat nur einen Hintergrund: „Ich wollte nicht zum Amt gehen sondern lieber arbeiten und selbst Geld verdienen“, erzählt sie. Weil sämtliche Weihnachtsmärkte und andere Veranstaltungen coronabedingt ausgefallen sind, hat Familie Bramsel ihr kostenlos „Obdach“ vor ihrem Frühstücks-Café am Rande der Mengeder Straße angeboten. „Wir waren darüber so unglaublich dankbar“, sagt Birgit Kaiser noch heute. Denn für sie hieß das, dass sie Geld verdienen und weiterhin selbst ihre Rechnungen zahlen konnte.

Alternative nicht praktikabel

Nun scheint das Kapitel Waltrop für Birgit Kaiser tatsächlich beendet zu sein. Aktuell gehe sie davon aus, zum Ende des Monats abzubauen. Einen alternativen Standplatz hat sie bisher noch nicht gefunden. Den Vorschlag der Stadt, möglicherweise auf die freie Fläche vor Hohoff umzuziehen - hier wäre der Verkaufswagen offenbar gestattet -, hält sie für nicht praktikabel. Zum einen könne sie auf dem Untergrund dort ihren Wagen nicht aufstellen, zum anderen sei das Thema Stromversorgung nicht geklärt, schildert Birgit Kaiser.

Stadt Waltrop: „Ist rechtlich ein Gebäude“

Waltrop Reporter hat der Stadt Waltrop unterdessen einige Fragen zugeschickt und um Stellungnahme gebeten. Die Antwort im Wortlaut lautet so:

„Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage, insbesondere durch ausfallende Weihnachtsmärkte, entschied die Bauordnung, während der Weihnachtszeit nicht einzugreifen. Eine Duldung des Standes darüber hinaus stand nie im Raum. Inzwischen steht der Mandelverkaufsstand so lange an dieser Stelle, dass er rechtlich als Gebäude zu werten ist, für das eine Baugenehmigung notwendig wäre.

Erdbeerstand soll auch weg

Wenige Meter weiter in Richtung der Autobahn A2 steht nun auch ein Erdbeerverkaufsstand, dessen Aufstellung im Außenbereich ebenfalls unzulässig ist. Dort befindet sich ein Unfallschwerpunkt, zudem gab es Beschwerden gegen den Verkaufsstand. Bei objektiver Betrachtung stellen jedes Wendemanöver sowie das spontane Anhalten von Pkw und Lkw an dieser stark befahrenen Straße eine vermeidbare Gefährdung des Verkehrs dar. Auf dieser Grundlage war ein Verfahren gegen dessen Aufstellung einzuleiten. Im Zuge der Gleichbehandlung muss dies auch gegen die Aufstellung des rechtlich gleich zu bewertenden Mandelverkaufswagens erfolgen.

Um den beiden Geschäften den Abverkauf der Waren zu ermöglichen, wurde bereits frühzeitig mündlich eine Frist bis zum 16.05.2021 gesetzt und hiernach die Anhörungen erlassen. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass ein Bußgeldverfahren im Raum steht, wenn die Wagen nicht eigenständig entfernt werden. Darüber hinaus hat die Wirtschaftsförderung der Stadt Waltrop die Standbetreiberin des Mandelverkaufswagens beraten, um einen alternativen, ähnlich attraktiven aber rechtlich zulässigen Standort zu finden.“

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