Social Network down: Ohne Facebook & Co. ist Meinungsfreiheit weniger wert

Soziale Medien haben unser Leben grundlegend verändert. Facebook und Co. erreichen Menschen in einem nie dagewesenen Ausmaß. Oder treffender gesagt, durch Facebook erreichen Menschen andere Menschen in einem nie dagewesenen Ausmaß.

Social Network down: Ohne Facebook & Co. ist Meinungsfreiheit weniger wert

Unter dem Hashtag #allesaufdentisch hat Schauspieler Wotan Wilke Möhring vor Kurzem ein Video auf YouTube veröffentlicht. Darin spricht er mit einem Rechtsanwalt aus Hamburg, der seit einigen Jahren regelmäßig und nach eigenen Angaben zumeist erfolgreich gegen Soziale Medien prozessiert.

Wird Meinungsfreiheit beschnitten?

Der Jurist ist der Auffassung, dass Plattformen wie Facebook und Co. mitunter die im Grundgesetzt verankerte Meinungsfreiheit beschneiden. Im Kern geht es um die Frage, inwieweit Soziale Netzwerke unsere Kommunikationsgewohnheiten bestimmen und die Standards dafür setzen dürfen, wie weit Artikel 5 in Deutschland reicht.

Meine Sichtweise hat sich verändert

Als ich das Video vor wenigen Tagen zum ersten Mal sah, da konnte ich der kritischen Haltung des Juristen durchaus folgen. Das kann ich prinzipiell auch immer noch, doch hat sich nach dem gestrigen (5.10.), großen Blackout von Facebook, WhatsApp und Instagram meine Sichtweise trotzdem auch verändert.

Facebook schafft uns Möglichkeiten

Denn bei all der gebotenen Kritik an dem Umstand, dass vermutlich irgendwelche Netzwerkadministratoren in Silicon Valley frei darüber entscheiden, was bei uns in Deutschland gesagt und geschrieben werden darf und was eben nicht gesagt und geschrieben werden darf, so bleibt trotzdem eines festzuhalten: Ohne Plattformen wie Facebook und Instagram hätten wir gar nicht erst die Möglichkeit, unsere Meinung derart leicht und reichweitenstark kundzutun.

ICQ und SMS

Blicken wir zurück auf die Jahre vor 2004, dem Gründungsjahr von Facebook. SMS waren absolut en vogue. Internet-Messengerdienste wie ICQ zählten zu den modernsten und coolsten Kommunikationsmedien. Irgendwie prähistorisch, oder? Dennoch waren sie die Vorläufer der Sozialen Netzwerke wie wir sie heute kennen.

Wer hat überhaupt Menschen erreicht?

Größere Menschenmassen haben noch vor 25 Jahren fast nur Journalisten oder Prominente erreicht; über das Radio, Zeitungen, das Fernsehen. Die durch Artikel 5 des Grundgesetztes gedeckte und zugesicherte Meinungs- und übrigens auch Pressefreiheit, die gab es auch damals schon. Aber wo sollte man als Otto Normalbürger seine Meinung denn in einem Ausmaß kundtun können, das als ansatzweise relevant - weil reichweitenstark - betrachtet werden konnte? Die Antwort: nirgends.

Sechs Stunden Blackout - irgendwie komisch

Sechs Stunden ohne Facebook, Instagram und WhatsApp. Das war für mich auf der einen Seite angenehm, weil man ein bisschen abschalten konnte. Auf der anderen Seite war es auch ein komisches Gefühl. Denn auch, wenn oft unnützer Quatsch in den Storys und auf den Pinnwänden dieser Online-Welt zu finden sind, so ist es doch beruhigend zu wissen, dass wir diesen Quatsch - aber auch wertvolle Gedanken und Inhalte - immer und zu jeder Zeit veröffentlichen können.

Ohne Soziale Netzwerke finden unsere Worte weniger Gehör

Facebook und Co. geben uns mit ihren Plattformen die Möglichkeit dazu. Bei all der (berechtigten) Kritik, die man beim Thema Zensur durch Soziale Netzwerke haben darf: Ohne sie fänden unsere Worte längst nicht so viel Gehör. Oder um es zuzuspitzen: Ohne Facebook und Co. wäre unsere gesetzlich zugesicherte Meinungsfreiheit weniger wert.

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