Das große Jahres-Interview mit Bürgermeister Mittelbach - Teil 2

Das Ende eines Jahres ist eine gute Zeit, um Bilanz zu ziehen. WR-Redakteur Martin Behr hat Bürgermeister Marcel Mittelbach zum Jahres-Interview gebeten, um 2021 noch einmal aufzuarbeiten: sachlich, emotional, kritisch. Teil 2 von 2 lesen Sie jetzt.

Das große Jahres-Interview mit Bürgermeister Mittelbach - Teil 2

WR: Mit Wolfgang Brautmeier geht Ihr vermutlich wichtigster Mitarbeiter im neuen Jahr auf Abschiedstournee - die Pension ruft. Die Stadt Waltrop verliert damit ihren Kämmerer und den Allgemeinen Vertreter des Bürgermeisters. Wie fangen Sie diese Personalie auf?

MM: Wolfgang Brautmeier wird mir aus persönlicher und fachlicher Sicht sehr fehlen. Natürlich bereite ich mich auf diese Veränderung vor. Zeitnah wird es hierzu Gespräche auf unterschiedlichen Ebenen geben. Ich bin sicher, dass Wolfgang Brautmeier diesen Prozess eng begleiten und seine Nachfolge mit seiner Erfahrung und Expertise unterstützen wird.

WR: Noch einmal zurückgeblickt auf 2021: Was hat Ihnen mit Blick auf unsere Stadt, auf die Menschen und/oder Projekte in unserer Stadt, am meisten imponiert?

MM: Waltrop ist unfassbar engagiert. Das merke ich täglich an unglaublich vielen Stellen. Zum Beispiel in der Quartiersarbeit, in der Innenstadt, im Kinder-, Jugend- und Seniorenbereich oder wenn im Allgemeinen Anpacken gefragt ist – egal ob bei Corona, oder der Fluthilfe. Das gilt für Privatpersonen im gleichen Maße wie für Unternehmen und die Stadtverwaltung. Es wäre an dieser Stelle unfair, einzelne Projekte hervorzuheben, denn die Waltroper:innen stehen mit Herzblut hinter all ihren Ideen und Projekten.

WR: Bürgermeister zu sein heißt auch, im Fokus zu stehen. Positiv wie negativ. Die Eröffnung des Weihnachtsdorfes war sicherlich ein toller Moment, die teils sehr persönlichen Vorwürfe des Ratsherrn Dr. Heinz Josef Mußhoff (FDP) zählten wohl zu den unschönen Momenten. Mußhoff warf Ihnen unter anderem vor, beim Thema Transparenz „völlig hinter den selbst gesteckten Erwartungen zurückzubleiben“. Haben Sie sich mit Dr. Mußhoff inzwischen ausgesprochen oder ist Ihr Verhältnis weiterhin eher angespannt?

MM: Im politischen Austausch gehört es dazu, auch mal kontrovers zu diskutieren und unterschiedliche Auffassungen zu haben. Das führt aus meiner Sicht nicht zwingend zu einem angespannten Verhältnis, wenngleich ich beispielsweise beim Thema Transparenz weiterhin anderer Meinung bin als Herr Dr. Mußhoff. Auch wenn unsere Sichtweisen unterschiedlich und in Einzelfällen unvereinbar sind, ist es dennoch unser Ziel, Waltrop weiter voranzubringen. An unserer Tradition, gelegentlich bei einem Kaltgetränk zusammenzukommen, hat sich nichts geändert.

WR: Das Ende eines Jahres ist immer eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Sind Sie mit Ihrer Arbeit als Bürgermeister zufrieden oder gibt es auch etwas, bei dem Sie im Nachhinein sagen: „Hätte ich besser lösen können“. Und: Welchen (politischen) Erfolg in 2021 schreiben Sie sich vielleicht auch ganz persönlich auf die Fahne?

MM: Das Jahr als Bürgermeister hat mir gezeigt, dass wir einer Menge an Herausforderungen begegnen. Die meisten bieten uns gleichzeitig jedoch große Chancen. Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist es deshalb, diese zu erkennen und uns alle zu motivieren diese Chancen zu nutzen. 2021 ist – trotz der anhaltenden Pandemie – eine Menge passiert. Zum Beispiel sind die Großprojekte „Dicker Dören“ und „Baugebiet Waldstadion“ auf einem guten Weg.

Die Entwicklung des Neubaus der Feuer- und Rettungswache nimmt Fahrt auf – sicherlich das größte Hochbauprojekt seit dem Bau der Gesamtschule. Wir konnten das letzte Grundstück auf dem Leveringhauser Feld vermarkten und auch an der Zeche hat sich einiges getan. Hier ist ein zukunftsorientierter Standort mit Unternehmen entstanden, die Tradition und Moderne miteinander verbinden. Auch die Innenstadt lebt immer mehr auf – Ladenlokal-Anmietungen und erste Geschäftseröffnungen dank des Förderprogrammes zur Belebung der Innenstädte durften wir schon erleben. Und, so viel kann ich verraten, da kommt noch mehr.

An manches erinnere ich mich gerne, auch, wenn es sich abseits von Politik und Großprojekten abgespielt hat: Zum Beispiel das Weihnachtsdorf oder die Trecker-Lichterfahrt, die in diesem wieder einmal „anders normalen“ Advent für weihnachtliche Stimmung gesorgt haben. Ich begreife mich grundsätzlich als Teamplayer – mit einer besonderen Rolle. Als Bürgermeister stoße ich Dinge an, bereite den Weg und begleite sie. Klar ist jedoch: mit der Umsetzung klappt es nur dann, wenn wir alle gemeinsam anpacken.

WR: Zum Schluss ein kurzer Ausblick: Welches Thema wird im kommenden Jahr besonders wichtig werden für Sie und damit auch für uns als Stadt?

MM: Dass die Pandemie wahrscheinlich auch 2022 noch eine Rolle spielen wird, lässt sich nicht leugnen. Wir geben weiterhin nicht weniger als unser Bestes, um gemeinsam gut durch diese Zeit zu kommen – umso wichtiger ist es jedoch auch, die ganz konkreten Waltroper Themen im Blick zu behalten. Die großen Themen aus 2021 werden uns auch 2022 und darüber hinaus beschäftigen. Schließlich sind Projekte wie die Entwicklung des Dicken Dören gerade für eine kleine Stadt wie Waltrop echte Mammutaufgaben.

2022 gehen wir darüber hinaus die Entwicklung weiterer Standorte für den Wohnungsbau und die Erweiterung des KiTa-Angebotes an. Ähnlich wichtig ist die Schaffung von Wohnraum für Alleinstehende und größere Familien. Herausfordernd werden sicherlich die Vorbereitungen für den sich in 2026 verändernden Anspruch auf OGS-Betreuung. Da müssen wir jetzt schon ansetzen, um alle Anforderungen zu erfüllen.

Beschäftigen wird uns noch eine weitere Gesetzesänderung: durch den neuen Paragraphen 2b des Umsatzsteuergesetzes wird die Stadtverwaltung umsatzsteuerpflichtig. Wir müssen darum nicht nur unsere Beteiligungen ganz genau unter die Lupe nehmen, sondern auch über ganz konkrete Fragen wie die der Parkraumbewirtschaftung nachdenken.

Die Förderung der Ausbildung, insbesondere im Handwerk, liegt mir besonders am Herzen. 2022 werde ich daher intensiv daran arbeiten, die Akteur:innen noch besser zu vernetzen als bisher und sicherlich auch bei mancher Aktion dabei sein. Und ganz sicher lohnt sich ein genauer Blick auf die Innenstadt. Denn 2022 steht die Überarbeitung des Integrierten Entwicklungskonzeptes Innenstadt im Fokus – mit Workshops zur neuen Gestaltung der Stadt als Aufenthaltsort. Ich freue mich darauf, hier gemeinsam mit vielen Waltroperinnen und Waltropern Neues auf den Weg zu bringen.

Logo